„Ich wünsche für die Frauen keine Macht über Männer, aber die Macht über sich selbst.“ Dieser legendäre Satz stammt von Mary Wollstonecraft (1759 – 97). Nie gehört? Wollstonecraft war die erste Philosophin und Erfolgsautorin, die für Gender Equality eintrat; und für einen Erfolg, bei dem sich Job und Liebe, Geld und Geist nicht ausschließen.

Ihr Hauptwerk Zur Verteidigung der Frauenrechte ist eine Kampfschrift für aufgeklärtes Denken und selbstbestimmtes, engagiertes Tun. Ihr Leben ein Beweis dafür, dass die Regeln des Erfolgs darin bestehen, jede Regel zu brechen.

Marys Regeln

Erfolgsregel Nr. 1: Setze auf Deinen Verstand.

Mary ist die Tochter eines kinderreichen Londoner Seidenwebers und gewalttätigen Trinkers. Die Regel sieht vor, dass sie eine schlechte Schulbildung erfahren soll, dass sie häkeln, kochen, sich um ihre Geschwister kümmern und so früh wie möglich heiraten muss. Mary zuckt mit den Schultern und bildet sich mit der Lektüre philosophischer Aufklärer wie John Locke und Jean-Jacques Rousseau selbst. So startet sie ihre lebenslange Initiative, die sie „self-education“ nennt.

Erfolgsregel Nr. 2: Hole Dir Unterstützung von klugen, einflussreichen Männern und helfe denen, die diese Unterstützung nie erfahren werden.

Die intensive intellektuelle Beziehung zu einem Mädchen namens Fanny weckt in Mary früh einen Riesenhunger nach Kontakten zu weiteren außergewöhnlichen Menschen; Leuten, die helfen können, ihren Traum von einer freien, ökonomisch unabhängigen Existenz Wirklichkeit werden zu lassen.

Erfolg ohne Angst vor dem Scheitern

Was macht einen Helden aus? Die Draper University for Heroes bildet ihre Schüler aus an die eigene Marke zu glauben und Mut zum Scheitern zu haben. 

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Die Regel sieht für Mary hirnlose Betätigungen als Kindermädchen und Gesellschafterin vor. Doch Mary hat keine Lust, zu verblöden. Sie sucht sich eine geeignetere Bühne für die Entfaltung ihrer Potenziale: den Londoner Club des Verlegers Joseph Johnson, wo sich die großen liberalen Geister und Dichter ihrer Zeit die Klinke in die Hand geben. Mary hält sich nicht bescheiden im Hintergrund, sie raucht die Jungs in der (argumentativen) Pfeife. Sie beeindruckt Berühmtheiten wie Thomas Paine oder William Blake – und lässt sich von ihnen fördern. Sie veröffentlicht ein Buch nach dem anderen und reist nach Paris, um von dort über die Französische Revolution zu berichten. Mit ihren Honoraren kauft sie sich weder Handtaschen noch Pumps. Sie unterstützt ihre Familie und die ihrer früh verstorbenen Freundin Fanny. So lange sie lebt, hilft sie Frauen in Armut.

Erfolgsregel Nr. 3: Beginne frühzeitig Deine Marke aufzubauen.

Marys erster autobiographisch geprägter Roman heißt schlicht Mary – kein Zufall, sondern clevere Eigen-PR. Die Regel sieht vor, dass Philosophinnen Geld und Respekt verwehrt sind (weil es eigentlich gar keine Philosophinnen geben sollte).

Mary zögert nicht, sich beides zu beschaffen. Indem sie es trotz Unsicherheiten und Selbstzweifel wagt, Rousseaus Frauenfeindlichkeit anzugreifen; indem sie die aufwendigen modischen Rituale der Epoche verweigert, statt ausladender Hüte und Petticoats offenes Haar und Schuhe mit dicken Sohlen trägt; indem sie von sich selbst als „the first of a new genus“ schreibt, der ersten der neuen Gattung weiblicher Profi-Schriftsteller.

Erfolgsregel Nr. 4: Habe keine Angst vor dem Scheitern, sondern experimentiere, was das Zeug hält.

Von Jugend an liest und schreibt Mary mit eiserner Selbstdisziplin, um etwas Niedagewesenes zu schaffen. Ihr erstes großes Experiment ist eine eigene Privatschule für Mädchen, die sie gemeinsam mit Fanny und einer ihrer Schwestern gründet. Die Regel lautet, dass Frauen durch regelmäßigen Konsum von Romanen und aufwendigen kosmetischen Ritualen dumm gehalten werden.

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Mary möchte jungen Mädchen das Selbstdenken schmackhaft machen. Doch das Projekt scheitert. Die Regel lautet, dass Frauen qua Heirat ihren gesellschaftlichen Status verbessern sollen. Mary denkt nicht an die Ehe. Sie verliebt sich in einen amerikanischen Geschäftsmann und wird sofort schwanger. Doch die Beziehung scheitert. Die Regel heißt, dass Frauen daheim bei ihren Kindern bleiben sollen. Mary reist mit ihrer unehelichen Tochter durch Schweden, Norwegen und Dänemark. Und verfasst darüber großartige Reise-Literatur, in der sie – elegant und emotional – ihren privaten Schmerz verarbeitet.

Mary leidet und lernt, lernt und leidet. Und lässt sich nicht unterkriegen. Bis sie ihre große Liebe trifft, den Philosophen und Anarchisten William Goodwin. Sie heiraten und leben zeitweise in zwei Haushalten, um den gegenseitigen Respekt zu wahren und sich nicht auf die Nerven zu gehen. Als Mary bei der Geburt der gemeinsamen Tochter Mary Shelley (der späteren Autorin von Frankenstein) viel zu jung stirbt, hat sie mehr erlebt und gesehen als die meisten Männer ihrer Generation – und ganz nebenbei den Feminismus erfunden.

“Verbinde Herz mit Verstand! Karriere und Liebe sind wichtig!“

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Kein Erfolg ohne Geist und ohne Liebe

Erfolgsregel Nr. 5: Verbinde Herz mit Ratio.

Marys Botschaft an alle modernen Frauen, für die wie für Mary Erfolg „Karriere und Liebe“ heißt, ist schlicht: Sei kein Schaf. Geld und Status sind wichtig; Geist und Herz sind noch wichtiger. In Zeiten von Heidi Klum und Kim Kardashian, in denen der „globale Mode- und Schönheitskomplex“ (Angela McRobbie) das Patriarchat abgelöst hat, in denen es wieder Scharen von Mädchen gibt, die ihre Zeit mit Ritualen des Frisierens und Umstylens verplempern und ihre Nasen lieber verkleinern lassen, statt sie in Bücher zu stecken, brauchen wir Vorbilder wie Mary Wollstonecraft.

Role Models, die wie Mary den Mut besitzen, die Dinge scharf und liebevoll beim Namen zu nennen. „Lasst uns nicht alle Gedanken auf die kleinkarierten Ereignisse des Tages beschränken“, schreibt Mary. „(L)asst uns versuchen, unseren Geist durch Überlegung zu stärken, bis unsere Köpfe ein Ausgleich für unsere Herzen werden.“

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