„Der Held“ ist ein Topos, den wir heute irgendwie nicht mehr so richtig ernst nehmen können. Heldentum, das hat etwas Anrüchiges. Den Geschmack des unnötig Brutalen, Maskulinen, Rückwärtsgewandten. Helden darf es nur noch in digitaler Form auf Netflix geben, meinen wir. Die analogen treten wir samt ihrer Muskelpakete und Maschinengewehre in die historische Tonne, klopfen uns den Staub vom Revers – und sehen uns ratlos um. Was nun? Wer soll jetzt den Karren für uns aus dem Dreck ziehen, uns Halt geben und sagen, wo’s lang geht?

Cool Germany und die deutsche Schwermut

Antwort: Wir selbst. Worauf warten wir? Der Economist nennt uns „Cool Germany“. Und wir quälen uns mit bleiernen Gedanken zu den Themen Zukunft, Heimat und Identität. Was wir jetzt brauchen, ist nicht Schwermut. Sondern die Bereitschaft zur Leichtigkeit. Eine, die Heldenhaftigkeit in völlig neuem Licht erscheinen lässt.

Das Heldentum 2018 besteht im Aufbrechen von „mentaler Aufgeschlossenheit bei gleichzeitiger Verhaltensstarre“ (Ulrich Beck). Es besteht im Abrüsten, nicht im Aufrüsten. Es liegt im Verzicht auf Un-Sinn. Waffen, Plastik, Massentierhaltung, luftverpestende SUVs, Sexisten, Ideologien, alternative Fakten – auf all das können wir verzichten. Wir können den ganzen Ballast abwerfen, der uns beschwert, und die Wechselfälle der Existenz mit offenen Armen empfangen. Wir können es tatsächlich. Es ist möglich.

Die Zukunft leicht machen

Was wird morgen sein? Nichts macht so viel Angst wie das Unkontrollierbare. Und nichts kann so spannend sein. Nicht nur in unseren Lieblings-Netflix-Serien, auch im wirklichen Leben gilt: Warum krampfhaft an Zielen festhalten, wozu nach endgültigen Lösungen gieren, wenn der Plot doch immer neue Wendungen nimmt? Die Lösung liegt vor uns. Sie ist so nah, dass wir ständig an ihr vorbei denken. Nennen wir sie: Postheroische Leichtigkeit. Wir gewinnen sie, in dem wir

 

  • spinnen statt planen : Denn den Spinnern gehört die Zukunft. Kreativen Menschen, die aus ihrem Hirn und Herz heraus zukunftstaugliche „Netze“ weben – Ideen, Strategien, Praktiken, die durch alle Undurchsichtigkeit und Widersprüchlichkeit hindurch tragen und auffangen. Spinnen nimmt dem Leben sein Gewicht und seine Härte und verwandelt es in Unbeschwertheit. Spinnen wir los.

 

  • trödeln statt hetzen : Wir können noch so rennen – Algorithmen und Roboter werden schneller sein. Das ist unsere Chance. Wer zu schnell liebt, arbeitet, lebt, ist früher tot. Hirn und Herz des Menschen können nur langsam reifen. Entdecken wir unsere Menschlichkeit neu. Die Freuden des Herumtrödelns, der Wiederholung, des Abschweifens, der Reflexion. P. S. : „Human is the next big thing.“

 

  • fühlen statt rechnen : Wer mit dem Kopf fühlt und mit dem Herzen denkt, ist nicht unbedingt ein großer Mathematiker. Wohl aber ein Mutiger. Mut ist die Essenz Postheroischer Leichtigkeit. Wie Theodor Fontane schrieb: „Zwischen Hochmut und Demut steht ein Drittes, dem das Leben gehört. Und das ist ganz einfach der Mut.“

 

Wie fühlen Sie sich nach der Lektüre dieses Blogbeitrags?